Bautagebuch

BAUTAGEBUCH

Die Räume des heutigen Wahrsinn – Studio für performatives Wissen blicken auf eine lange Geschichte zurück. Ursprünglich befand sich hier eine Drechslerei, später ein Elektroladen, der bis 1994 betrieben wurde. Nach einem Wasserschaden im ersten Obergeschoss wurden in den rückwärtigen Räumen Putz, Decken und Fußböden entfernt. Der ehemalige Ladenraum diente viele Jahre lediglich als Lager.

Die hier gezeigten Fotografien und Texte dokumentieren die Verwandlung dieses lange ungenutzten Ortes in ein Atelier für Medienkunst, ein BioArtLab und einen Raum für Performance, Ausstellung und kulturelle Bildung. Das poetische Bautagebuch erzählt von den sichtbaren und unsichtbaren Arbeiten, vom Lernen durch Tun und von den vielen Formen des Wissens, die beim Bauen, Reparieren und Improvisieren entstehen.

Ein solches Projekt entsteht nicht allein. Mein besonderer Dank gilt meiner Vermieterin Birgit Leiteritz für ihr Vertrauen und ihre finanzielle Unterstützung. Dem Amt für Kultur und Denkmalschutz der Landeshauptstadt Dresden danke ich für die Förderung des Ausbaus von Atelier- und Probenräumen.

Von Herzen danke ich meinem Mann und Malermeister Martin Lau, der dieses Projekt mit unermüdlicher praktischer Unterstützung begleitet hat. Durch ihn habe ich mehr über Fußböden, Spachtelmassen, Abbeizer und handwerkliche Lösungen gelernt, als ich jemals erwartet hätte – ein wesentlicher Teil des hier entstandenen „performativen Wissens“.

Dank gilt außerdem den Mitgliedern des ZickZack e. V., den Hausbewohnenden, Sanitär Müller, dem Trockenbauer Jörg FellgiebelHerrn Herold für die Elektroarbeiten sowie meiner Mutter für ihre finanzielle Unterstützung der Ausstattung über den ZickZack e. V.

Noch vor der offiziellen Eröffnung fanden hier bereits zahlreiche Performances statt. Die jüngste war die ebenso ausdauernde wie poetische Entfernung jahrzehntealter Klebebandreste von den Schaufenstern durch Conny Otto.

Diese Räume sind das Ergebnis vieler Hände, vieler Gespräche und vieler Stunden gemeinsamer Arbeit. Die Fotodokumentation macht davon nur einen kleinen Teil sichtbar.

 

Katharina Groß

Diplom-Künstlerin
Mitbegründerin des BioArtLab
Vorsitzende des ZickZack e. V.

MAI 26

studioraum

Alte Schichten werden abgetragen, neue gesetzt. Wände werden freigelegt und gefasst, Öffnungen geschlossen, der Boden neu gelegt. Der Raum ordnet sich neu, während Spuren des Vorgefundenen sichtbar bleiben.

MAI 26

ZWISCHENDECKE

Die eingefügte Ebene wird vollständig zurückgenommen. Paneele und Konstruktion weichen – die ursprüngliche Höhe tritt wieder hervor, der Raum gewinnt an Luft und offener Spannweite.

Apr 26

MALERARBEITEN

Weiß legt sich über die Räume. Eine helle, nahezu makellose Schicht überdeckt das Gewordene – Spuren treten zurück, Konturen klären sich. Der Raum erscheint neu: offen, ruhig, beinahe unberührt.

Apr 26

TROCKENBAU

Schichten schließen den Raum. Wände werden gesetzt, Leitungen gefasst, die Decke gefügt – der Raum gewinnt Kontur, Funktion wird baulich fixiert.

MÄR 26

DIELEN

Die Fläche fügt sich aus Teilen. Linie an Linie ensteht ein Rhythmus, der den Raum gliedert - der Boden wird zur Tragfläche, die den Raum hält und ordnet.

FEB 26

Sanitär

Installationen treten hervor. WC und Waschbecken setzen feste Punkte im Raum – Nutzung materialisiert sich, Infrastruktur wird sichtbar und bindet den Raum an seine Funktion.

FEB 26

BODEN

Die Unebenheiten sammeln sich, fließen ineinander. Eine graue Haut legt sich über das Gewesene, füllt Vertiefungen, bindet Spuren, bis der Raum sich neu ausrichtet – ruhig, tragfähig, bereit.

Jan 26

VERPUTZER

Die rauen Ziegel glätten sich. Krümmungen lösen sich auf, Schatten weichen glatten Flächen, während der Raum Ruhe und Struktur zugleich annimmt.

Nov 25

Leitungen

Die Elektrik wird neu verlegt. Leitungen werden gezogen, Spuren verschwinden, während sich neue Möglichkeiten abzeichnen.

OKT 25

Horizont

Die Förderzusage der Landeshauptstadt Dresden trifft ein. Der Gedanke eines künftigen Betriebs gewinnt an Kontur.

jun 25

Freilegung

Erste Besichtigung. Der Ladenraum ist vollgestellt mit Hinterlassenschaften des Vermieters. Nach einem lange zurückliegenden Wasserschaden liegen Decke, Wände und Fußboden offen – ohne Dämmung, Putz oder Dielen.

©Katharina Groß. Alle Rechte vorbehalten.

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